Leitfaden zur Gestaltung von chancengerechten Informationsangeboten

Bestimmte soziale Gruppen sind mit besonders großen Belastungen konfrontiert während sie zugleich über besonders geringe Ressourcen zur Bewältigung ihrer Belastungen verfügen. Das hat zur Folge, dass beispielsweise Personen mit geringem Einkommen, niedrigem Bildungsstatus, chronischen Erkrankungen oder Behinderungen in der Regel nicht ausreichend von Gesundheitsinformationen erreicht werden.

Im Rahmen des nationalen Programms „Richtig essen von Anfang an!“ (REVAN) wurde ein Dokument zur Entwicklung chancengerechter Beratungsangebote und Informationsmaterialien erstellt, um insbesondere die Erreichung von Menschen in benachteiligten Lebenssituationen zu verbessern. Die Erkenntnisse bzw. Empfehlungen im Leitfaden „Gestaltung von chancengerechten Informationsangeboten“ gingen aus aktueller Literatur, der gemeinsamen Reflexion und Diskussion mit Vertreter:innen verschiedener Psychosozial- und Gesundheitsberufe sowie einem Konsultationsprozess hervor.

Eine Hand hält eine Lupe über drei farbige, stilisierte Figuren auf einer blauen Fläche.

Empfehlungen für die chancengerechte Weiterentwicklung von REVAN-Angeboten:

  • REVAN-Angebote für Eltern/Angehörige so niederschwellig wie möglich gestalten

Es besteht ein allgemeiner Bedarf in Österreich an qualitätsgesicherten, verständlichen und leicht zugänglichen Ernährungsinformationen. REVAN-Maßnahmen sollen daher möglichst viele Menschen erreichen, unabhängig von ihrer Lebenslage bzw. vom Benachteiligungsgrad.

  • Prioritäten bei der Auswahl spezifischer Zielgruppen setzen

In einem ersten Schritt sind Zielgruppen zu identifizieren, bei denen viele Belastungsfaktoren kumulieren und die demnach einen besonders hohen Bedarf an Maßnahmen haben.

  • Spezifische REVAN-Angebote für Menschen, die von Benachteiligung betroffen sind, schaffen

Es gibt keine „One-size-fits-all Lösung“; unter Anwendung von Good-Practice-Kriterien (wie z. B. Partizipation und Niederschwelligkeit) und Strategien (wie z. B. Tailoring) sind zielgruppengerechte Maßnahmen zu entwickeln. Dabei sind – neben verhältnispräventiven Maßnahmen – insbesondere aufsuchende Angebote in den jeweiligen Settings/Lebenswelten (Wohnumgebung, Kulturverein, Kindergarten, Schule, Betrieb, öffentliche Plätze etc.) empfehlenswert.

  • Vernetzung und Kooperation forcieren

Die Kooperation mit Akteur:innen („Brückenbauer:innen“, Multiplikator:innen), die bereits in Kontakt mit den gewählten Zielgruppen sind, ist essenziell für die Schaffung und Dissemination von niederschwelligen REVAN-Angeboten. Auch innerhalb des Programms REVAN sind Austausch und Kooperation zu intensivieren.

  • Informationsmaterial für Akteur:innen im Umfeld der Zielgruppe/n bereitstellen

Auch Berufsgruppen wie Ärzt:innen, Hebammen, Familienbegleiter:innen und -berater:innen benötigen für ihre Beratungstätigkeit gut verständliches Informationsmaterial (Beratungsunterlagen und Hintergrundinformationen) zum Thema „Gesunde Ernährung“.

  • Bewährte Angebote ausrollen

Bereits bewährte REVAN-Angebote für Menschen, die von Benachteiligung betroffen sind, sollten evaluiert (wer wird erreicht, was sind Erfolgsfaktoren etc.) und ausgerollt bzw. in andere Bundesländer/Regionen transferiert werden.

  • REVAN-Mitwirkenden regelmäßig fortbilden

Spezifische Fortbildungen durch umsetzungserfahrene Praktiker:innen sind für REVAN-Programmverantwortliche sowie für REVAN-Fachexpert:innen zu organisieren.