Energie- und Nährstoffbedarf

Vor allem während der Schwangerschaft und Stillzeit ist eine Ernährung mit großer Lebensmittelvielfalt wichtig, um die Versorgung mit Energie und Nährstoffen für das Wachstum und die Entwicklung des Babys zu gewährleisten und um einer mütterlichen Unterversorgung vorzubeugen. Denn stärker als der Energiebedarf erhöht sich während der Zeit der Schwangerschaft und vor allem während der Stillzeit der Nährstoffbedarf.

Energiebedarf

Es ist ein Mythos, dass während der Schwangerschaft für zwei gegessen werden muss. Der tägliche Energiebedarf steigt für Schwangere erst im zweiten Schwangerschaftsdrittel (13. – 27. Schwangerschaftswoche) durchschnittlich um nur 250 kcal an. Im dritten Schwangerschaftsdrittel (28. – 40. Schwangerschaftswoche) kommen nochmal 250 kcal/Tag hinzu, womit der Mehrbedarf an Kalorien insgesamt bei + 500 kcal/Tag liegt.

SchwangereMehrbedarfDiese Menge entspricht in etwa ...
* Quelle: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung, der Schweizer Gesellschaft für Ernährungsforschung und der Schweizer Vereinigung für Ernährung. Umschau Verlag. 2. Auflage, 1. Ausgabe 2015.

 

im 1. Schwangerschaftsdrittel  
(1. - 12. SSW)

 

 

keine Zulage

 



im 2. Schwangerschaftsdrittel  
(13. - 27. SSW)

 

+ 250 kcal/Tag *
 
1 Apfel und 1 Pkg. Buttermilch (0,5 L)
ODER
1 Stk. Vollkornbrot mit 1 Blatt Schinken, 1 kleinen Scheibe magerem Käse und ¼ frischer Gurke
ODER
1 Portion Gemüselaibchen mit Joghurtdip
 

 

im 3. Schwangerschaftsdrittel  
(28. - 40. SSW)

 

 

 + 250 kcal/Tag * (=insgesamt 500 kcal/Tag)

 

 
1 Portion Bunter Linseneintopf
ODER
1 Portion Zander mit Polenta und Tomaten-Salat 
ODER
1 Portion Cous Cous-Salat
+ 1 Apfel
+ 1 kleine Handvoll Nüsse (z.B. Walnüsse) (10g)
 

Wird das Baby ausschließlich gestillt, benötigen stillende Frauen (bis 6 Monate nach der Geburt) in etwa 500 kcal pro Tag mehr als vor der Schwangerschaft. Bekommt das Baby bereits Beikost, ist der Mehrbedarf an Kalorien davon abhängig, wie oft das Baby gestillt wird und kann nicht eindeutig angegeben werden.

StillendeMehrbedarfDiese Menge entspricht in etwa ...
* Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichischen Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): Referenzwerte für Nährstoffzufuhr. Bonn, 2. Auflage, 1. Ausgabe (2015).
EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit). Scientific Opinion on Dietary Reference Values for energy. EFSA Jounal 2013; 11(1):3005.

 

während ausschließlich gestillt wird (bis 6 Monate)

 

 

zusätzliche Energiezufuhr: +500 kcal/Tag *

 

 
1 Portion Kürbis-Kartoffel-Suppe und 1 Portion Apfel-Beeren-Müsli mit Joghurt  
ODER
1 kleine Portion Lachsfilet mit Gemüsenudeln
(siehe Rezeptbroschüre S. 39)

 

während nur noch teilweise gestillt wird

 

 

abhängig davon, wie oft gestillt wird

 

Nährstoffbedarf

In der Schwangerschaft und Stillzeit erhöht sich der Bedarf an den Vitaminen der B-Gruppe (Vitamin B1, B2, B6, B12, Folat, Niacin) und an den antioxidativen Vitaminen A, C, E sowie an den Mineralstoffen Eisen, Zink, Jod, Phosphor, Magnesium und bei Stillenden zusätzlich an Selen.

Unterschiede im täglichen Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen zwischen schwangeren, stillenden und nicht schwangeren/stillenden Frauen im Alter von 19 bis <25 und 25 bis <51 Jahren finden Sie in der folgenden Tabelle:

Frauen (19-<25 Jahre/25-<51 Jahre)Schwangere 1. TrimesterSchwangere 2. TrimesterSchwangere 3. TrimesterStillendeVeränderung des Bedarfs in der Stillzeit im Vergleich zur Schwangerschaft (3. Trimester)
Vitamine
Vitamin A  (mg RÄ)0,80,81,13)1,13)1,58)
Vitamin D (µg)202) 201) 201) 201) 201) =
Vitamin B1 (mg)111,24)1,34)1,39) =
Vitamin B2 (mg)1,11,11,34)1,44)1,49) =
Niacin (mg NÄ)13/1213/12144)164)169) =
Vitamin B6 (mg)1,21,21,93)1,93)1,9=
Folat (Folsäure) (µg FÄ)3002)5502)5502)5502)450
Vitamin B12 (µg)33,53,53,54,010)
Vitamin C (mg)95951053)1053)125
Vitamin E (mg TÄ)121313131711)
Vitamin K (µg)6060606060=
Pantothensäure (mg)66666=
Biotin (µg)30 - 6030 - 6030 - 6030 - 6030 - 60=
Mineralstoffe
Kalzium (mg)1.0001.0001.0001.0001.00012)=
Phosphor (mg)70080080080090013)
Magnesium (mg)310/300310310310390
Eisen (mg)153030302014)
Jod (µg)200230230230260
Zink (mg)77101011
Selen (µg)6060606075
Kupfer (mg)1 - 1,51 - 1,51 - 1,51 - 1,51 - 1,5=
Mangan (mg)2 -5 2 -5 2 -5 2 -5 2,5=
Chrom (µg)30 -10030 - 10030 - 10030 - 10030 -100=
Molybdän (µg)50 -100 50 -10050 -10050 -10050 -100=
Abkürzung: Ä = Äquivalent, ↑ höherer Bedarf, = gleicher Bedarf, ↓ geringerer Bedarf
1) Schätzwert für die angemessene Zufuhr bei fehlender endogener Synthese; 2) Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, sollten zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung 400 µg synthetische Folsäure pro Tag in Form eines Präparats einnehmen, um Neuralrohrdefekten vorzubeugen. Diese zusätzliche Einnahme eines Folsäurepräparats sollte spätestens 4 Wochen vor Beginn der Schwangerschaft anfangen und während des 1. Drittels der Schwangerschaft beibehalten werden;
3) ab 4. Monat der Schwangerschaft; 4) unter Berücksichtigung des Richtwerts für Frauen von 19 bis <25 Jahren (PAL-Wert 1,4) und einer Zulage von 250 kcal/Tag während des 2. Trimesters und von 500 kcal/Tag während des 3. Trimesters der Schwangerschaft; 5) Schwangere <19 Jahre: 1.200 mg; 6) Schwangere <19 Jahre: 1.250 mg; 7) Schwangere <19 Jahre: 350 mg
8) ca. 70 µg Retinol-Äuqivalente-Zulage pro 100 g sezernierte Milch; 9) unter Berücksichtigung des Richtwerts für Frauen von 19 bis unter 25 Jahren (PAL-Wert 1,4) und Zulage von 500 kcal/Tag für ausschließliches Stillen während der ersten 4 bis 6 Monate; 10) ca. 0,13 µg Vitamin B12-Zulage pro 100 g sezernierter Milch; 11) ca. 260 µg RRR-α-Tocopherol-Äquivalente-Zulage pro 100 g sezernierter Milch; 12) Stillende <19 Jahre 1.200 mg; 13) Stillende <19 Jahre 1.250 mg; 14) Diese Angabe gilt für stillende und nicht stillende Frauen nach der Geburt zum Ausgleich der Verluste während der Schwangerschaft

Literatur: Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Bonn, 2. Auflage, 1. Ausgabe (2015).

Schwangere in Österreich konnten lt. Österreichischem Ernährungsbericht 2008 den Mehrbedarf nicht bei allen Nährstoffen decken. Die Energieaufnahme war zu niedrig, wobei jedoch die Aufnahme an gesättigten Fetten zu hoch war. Zu niedrig war auch die durchschnittliche Aufnahme an Folsäure, Vitamin D, Eisen und Jod. Die durchschnittliche Zufuhrmenge der Mikronährstoffe Vitamin B1, Vitamin B2, Vitamin B6 und Calcium lag ebenfalls gering unterhalb der D-A-CH-Referenzwerte.
Eine Unterversorgung in der Schwangerschaft führt primär zu einem Defizit im mütterlichen Organismus, in weiterer Folge können jedoch auch mangelbedingte Fehl- und Missbildungen sowie verzögertes Wachstum beim Fötus auftreten.

Bezüglich Zufuhr langkettiger mehrfach ungesättigter Fettsäuren werden für Schwangere und Stillende 200 mg Docosahexaensäure (DHA) pro Tag empfohlen. Omega-3 Fettsäuren bewirken eine gesündere Schwangerschaft mit höherem Geburtsgewicht und geringerer Anzahl an Frühgeburten, sowie eine positive kindliche Entwicklung der Augen und des Gehirns. Gemäß Österreichischem Ernährungsbericht 2008 war die Zufuhr an mehrfach ungesättigten Fettsäuren bei Schwangeren ausreichend.

Um negative Effekte aufgrund möglicher Quecksilberkontaminationen zu vermeiden, wird empfohlen, auf Thunfisch, Heilbut, Hecht, Haifisch, Schwertfisch, Königsmakrele und Ziegelfisch während der Schwangerschaft zu verzichten.


Informationen zur empfohlenen Lebensmittelauswahl in der Schwangerschaft und Stillzeit (österreichische Ernährungspyramide für Schwangere und Stillende) sowie zu Vitamin- und Mineralstoffquellen finden Sie im Bereich für Eltern.

Rezepte für Schwangere und Stillende, die schnell und einfach zubereitet werden können und sich an den Anforderungen der modernen Ernährungswissenschaft orientieren, finden Sie in der Rezeptbroschüre.