Stillzeit

Ein wichtiger Aufgabenkreis des Projekts „Richtig essen von Anfang an!“ ist die Stillförderung. Richtet sich doch das Interesse der Projektbetreiber darauf, die Gesundheit von schwangeren Frauen, der stillenden Mutter und deren Babys zu optimieren. In diesem Bereich der Homepage, der sich an Stillexperten/innen, Berater/innen und alle Professionisten/innen richtet, die sich mit dem Stillen befassen, wollen wir zum Einem auf Maßnahmen aufmerksam machen, die erwiesenermaßen das Stillen fördern (Bedarfsanalysen). Zum Anderen soll eine Diskussionsplattform geschaffen werden, die den Dialog mit Ihnen ermöglicht, um Lösungsansätze zur Verbesserung der Gesundheitssituation der Zielgruppe gemeinsam zu finden. Zusätzlich möchten wir zu einem Informations- und Wissensaustausch anregen und stellen unsererseits erarbeitete Projektergebnisse transparent zur Verfügung (z. B. Basisliteraturbericht). Einen Auszug verschiedener Facts finden Sie im Anschluss.

Wir wollen Aktivitäten im Gesundheitssystem, der Gesundheitsprofessionisten/innen und den Lebensräumen der Zielgruppe selbst bekanntmachen, um stillende Mütter und deren Familien in ihrem Stillvorhaben zu unterstützen. All diese Bemühungen sollen im Einklang mit der Innocenti Deklaration und mit der WHO/UNICEF Global Strategy for Infant and Young Child Feeding stattfinden.

Innocenti Declaration (76,61 kB)

We who are assembled in Florence, Italy, on this Twenty-Second Day of November 2005 to celebrate the 15th Anniversary of the Innocenti Declaration on the Protection, Promotion and Support of Breastfeeding declare that these actions are urgent and necessary to ensure the best start in life for our children, for the achievement of the Millennium Development Goals by 2015, and for the realisation of the human rights of present and future generations.

WHO/UNICEF Globale Strategie für die Säuglings- und Kleinkindernährung (690,86 kB)

Diese Strategie beschreibt wesentliche Maßnahmen, um angemessene Säuglings- und Kleinkindernährung zu schützen, zu fördern und zu unterstützen. Die Strategie muss jetzt in die Praxis umgesetzt werden.

EU Blueprint (273,53 kB)

EUNUTNET (European Network for Public Health Nutrition: Networking, Monitoring, Intervention and Training) is a European Commission funded project (SPC 2003320) co-ordinated by Agneta Yngve, Unit for Preventive Nutrition, Department of Biosciences, Karolinska Institute. The project brought together European scientists and public health experts in order to, inter alia, ensure the development and implementation of sustainable evidence-based coherent training and promotion strategies on nutrition and physical activity. Within EUNUTNET, a task force coordinated by Adriano Cattaneo, Unit for Health Services Research and International Health, Institute for Child Health IRCCS Burlo Garofolo, has drawn up, after extensive review of the search evidence and much consultation, these standard recommendations on infant and young child feeding to complement the Blueprint for Action for the Protection, Promotion and Support of Breastfeeding in Europe (European Commission funded project SPC 2002359). These recommendations, once published and launched, will be offered to relevant national associations, organizations and government bodies as a guide to professional practice in Europe.

Energie-, Vitamin- und Mineralstoffbedarf

Vor allem während Schwangerschaft und Stillzeit ist eine Ernährung mit großer Lebensmittelvielfalt wichtig, um die Versorgung mit Energie und Nährstoffen für das Wachstum und die Entwicklung des Babys zu gewährleisten und um einer mütterlichen Unterversorgung vorzubeugen. Denn stärker als der Energiebedarf erhöht sich während der Zeit der Schwangerschaft und vor allem während der Stillzeit der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen.

Die richtige Auswahl an Lebensmitteln mit einem hohen Anteil an Vitaminen, Mineralstoffen und sonstigen Schutzstoffen und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind daher von wesentlicher Bedeutung.

Der tägliche Energiebedarf während der Stillzeit erhöht sich, abhängig vom Stillverhalten, um 285 bis 635 kcal.

Des Weiteren erhöht sich bei stillenden im Vergleich zu nicht stillenden Frauen der Bedarf an den Vitaminen der B-Gruppe (Vitamin B1, B2, B6, B12, Folat, Niacin) und an den antioxidativen Vitaminen A, C, E sowie an den Mineralstoffen Eisen, Zink, Jod, Phosphor und Magnesium.

Unterschiede im Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen zwischen nicht stillenden und stillenden Frauen im Alter von 25 – 51 Jahren finden Sie in der folgenden Tabelle:

Frauen
(25 – 51 Jahre)
Stillende Frauen
(25 – 51 Jahre)
Höherer Bedarf während der Stillzeit()
Gleicher Bedarf (=)
Vitamine
Vitamin A (mg)0,8

1,5

Vitamin D (µg)55=
Vitamin B1 (mg)11,4
Vitamin B2 (mg)1,21,6
Niacin (mg)1317
Vitamin B6 (mg)1,21,9
Folat (Folsäure) (µg)400600
Vitamin B12 (µg)34
Vitamin C (mg)100150
Vitamin E (mg)1217
Vitamin K (µg)6060=
Pantothensäure (mg)66=
Biotin (µg)30 - 6030 - 60=
Mineralstoffe
Calcium (mg)1.0001.0001)=
Phosphor (mg)7009002)
Magnesium (mg)300390
Eisen (mg)15203)
Jod (µg)200260
Zink (mg)711
Selen (µg)30 - 7030 - 70=
Kupfer (mg)1 - 1,51 - 1,5=
Mangan (mg)2 - 52 - 5=
Chrom (µg)30 – 10030 – 100=
Molybdän (µg)50 – 10050 – 100=
1) Stillende < 19 Jahre: 1.200 mg; 2) Stillende < 19 Jahre: 1.250 mg; 3) Diese Angabe gilt für stillende und nicht stillende Frauen nach der Geburt zum Ausgleich der Verluste während der Schwangerschaft
Literatur: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung, der Schweizer Gesellschaft für Ernährungsforschung und der Schweizer Vereinigung für Ernährung. Umschau Verlag, 2008.

Facts zum Thema Stillen

Die folgenden Texte liefern Ihnen einen Auszug interessanter Fakten zum Thema Stillen aus unserer im Rahmen des Projekts durchgeführten Literaturrecherche.

Stillsituation in Österreich

Eine repräsentative Befragung zur Stillsituation in Österreich ergab, dass insgesamt 93 % der befragten Mütter ihr Kind gestillt haben.

Studie zum Thema Stillen und dem Ernährungsverhalten von Säuglingen (1,27 MB)

Der vorliegende Bericht "Säuglingsernährung heute 2006" beinhaltet aktuelle Informationen zum Thema Stillen und Ernährungsverhalten von Säuglingen in Österreich. Die vom Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend in Auftrag gegebene Studie beinhaltet einerseits Erkenntnisse über die Rahmenbedingungen für das Stillen in den Geburtskliniken und andererseits genaue Informationen über die Ernährung von Säuglingen im ersten Lebensjahr. 700 Mütter, repräsentativ für ganz Österreich, wurden nach der Geburt zur Mitwirkung an der Studie gewonnen und 3, 6 und 12 Monate nach der Geburt telefonisch zur Ernährung ihres Kindes befragt.

Drei Monate teil- bzw. vollgestillt hatten 72 % der befragten Mütter. 55 % der Mütter stillten ihr Kind sechs Monate, davon 10 % voll und 45 % zum Teil.

Vorteile und Kontraindikationen des Stillens

Vorteile des Stillens für den Säugling sind unter anderem ein Schutz vor Infektionen, Allergieprophylaxe und reduziertes Risiko für plötzlichen Kindstod. Es gibt auch Hinweise, dass Personen, die als Säuglinge gestillt wurden, eine verringerte Inzidenz an Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2, Übergewicht und Adipositas sowie bestimmten Krebserkrankungen aufweisen.

Kontraindikationen sind einige Stoffwechselerkrankungen (wie beispielsweise Phenylketonurie oder Galaktosämie) oder spezielle Medikamenteneinnahme der Mutter.

Muttermilchbelastung

Die Muttermilchbelastung mit Pestiziden ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen und stellt nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung kein Risiko für den Säugling dar.

Einfluss des Stillens auf Übergewicht / Adipositas bei Kindern

Die Untersuchung des Einflusses von Übergewicht der Mutter auf das Gewicht des Kindes ergab, dass Kinder, deren Mütter vor der Schwangerschaft übergewichtig waren, ein höheres Risiko aufweisen übergewichtig zu werden, als Kinder von normalgewichtigen Frauen. Das höchste Risiko für Übergewicht zeigen nichtgestillte Kinder von übergewichtigen Müttern.

Weiters konnte in Studien beobachtet werden, dass übergewichtige und adipöse Frauen seltener stillen und auch das Stillen früher beenden als Normalgewichtige.

Stillen und Infektionen

Muttermilch senkt die Inzidenz und den Schweregrad von vielen Infektionserkrankungen unter anderem von bakterieller Meningitis, Bakteriämie, Durchfällen, Infektionen des Respirationstraktes, nekrotisierende Enterocolitis, Otitis media, Harnwegsinfektion oder spätes Auftreten einer Sepsis bei Frühgeborenen.

Stillen und Diabetes

Studien deuten darauf hin, dass Stillen protektive Effekte auf Diabetes mellitus Typ 1 aufweist. Auch das Risiko, im späteren Alter an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken, ist bei Personen, die als Säuglinge gestillt wurden, niedriger als im Vergleich zu formulaernährten Personen.

Stillen und Einfluss auf kardiovaskuläre Risikofaktoren

Säuglinge weisen in der Stillzeit höhere Gesamtcholesterin- und LDL-Konzentrationen auf als formulaernährte Säuglinge. Im Jugend-/Erwachsenenalter scheinen die Konzentrationen bei Gestillten niedriger zu sein als bei Nichtgestillten.

Stillen und Blutdruck

Studien zeigen, dass der systolische und diastolische Blutdruck bei gestillten Personen niedriger ist als bei Nichtgestillten.

Stillen und Koliken

Koliken bei Säuglingen sind noch nicht ausreichend untersucht. Einen möglichen Einfluss könnte die mütterliche Ernährung (Kohl, Karfiol, Brokkoli, Zwiebel und Kuhmilch) haben, weitere Untersuchungen sind jedoch erforderlich. Eine Studie zeigt, dass zwischen Säuglingen mit und ohne Koliken eine unterschiedliche Zusammensetzung der Darmflora besteht.

Stillen und Krebserkrankungen

Stillen kann protektive Effekte auf die Inzidenz von Brustkrebs der Mutter aufweisen. Auch bei Kindern scheint Stillen einen positiven Einfluss auf akute lymphoblastische Leukämie und Hodgkin-Erkrankungen zu haben.

Stillen und plötzlicher Kindstod (SIDS - Sudden Infant Death Syndrom)

Studien zeigen, dass nicht gestillte Kinder bzw. Kinder, die nur sehr kurz gestillt werden, ein erhöhtes Risiko für SIDS (Sudden Infant Death Syndrom) haben.

Stillen und Genussmittel

Alkohol, Koffein und Nikotin gelangen teilweise in die Muttermilch und können nachteilige Effekte auf die Produktion, das Volumen, die Zusammensetzung und das Ausstoßen der Muttermilch, sowie direkte nachteilige Effekte auf den Säugling haben. Der mütterliche Alkoholkonsum kann sich Studien zufolge beispielsweise auf das Schlafverhalten und die Grobmotorik der Säuglinge auswirken und zudem die frühe Gewöhnung an Alkohol fördern.

Weitere Informationen zum Thema Stillen finden Sie in folgenden Broschüren

Studie zum Thema Stillen und dem Ernährungsverhalten von Säuglingen (1,27 MB)

Der vorliegende Bericht "Säuglingsernährung heute 2006" beinhaltet aktuelle Informationen zum Thema Stillen und Ernährungsverhalten von Säuglingen in Österreich. Die vom Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend in Auftrag gegebene Studie beinhaltet einerseits Erkenntnisse über die Rahmenbedingungen für das Stillen in den Geburtskliniken und andererseits genaue Informationen über die Ernährung von Säuglingen im ersten Lebensjahr. 700 Mütter, repräsentativ für ganz Österreich, wurden nach der Geburt zur Mitwirkung an der Studie gewonnen und 3, 6 und 12 Monate nach der Geburt telefonisch zur Ernährung ihres Kindes befragt.