Schwangerschaft

Ernährung und Bewegung in der Schwangerschaft

Energie-, Vitamin- und Mineralstoffbedarf

Vor allem während Schwangerschaft und Stillzeit ist eine Ernährung mit großer Lebensmittelvielfalt wichtig, um die Versorgung mit Energie und Nährstoffen für das Wachstum und die Entwicklung des Babys zu gewährleisten und um einer mütterlichen Unterversorgung vorzubeugen. Denn stärker als der Energiebedarf erhöht sich während der Zeit der Schwangerschaft und vor allem während der Stillzeit der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen. Eine Unterversorgung führt primär zu einem Defizit im mütterlichen Organismus, in weiterer Folge können jedoch auch mangelbedingte Fehl- und Missbildungen sowie verzögertes Wachstum beim Fötus auftreten.

Die richtige Auswahl an Lebensmitteln mit einem hohen Anteil an Vitaminen, Mineralstoffen und sonstigen Schutzstoffen und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind daher von wesentlicher Bedeutung.

Der Energiebedarf während der Schwangerschaft verdoppelt sich zwar nicht, allerdings erhöht sich der tägliche Energiebedarf durchschnittlich um 255 kcal. Des Weiteren erhöht sich bei Schwangeren der Bedarf an den Vitaminen der B-Gruppe (Vitamin B1, B2, B6, B12, Folat, Niacin) und an den antioxidativen Vitaminen A, C, E sowie an den Mineralstoffen Eisen, Zink, Jod, Phosphor und Magnesium.

Unterschiede im Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen zwischen schwangeren und nicht schwangeren Frauen im Alter von 25 – 51 Jahren finden Sie in der folgenden Tabelle:

Frauen
(25 – 51 Jahre)
Schwangere Frauen
(25 – 51 Jahre)
Höherer Bedarf während der Schwangerschaft ()
Gleicher Bedarf (=)
Vitamine
Vitamin A (mg)0,8

1,1*

Vitamin D (µg)55=
Vitamin B1 (mg)11,2*
Vitamin B2 (mg)1,21,5*
Niacin (mg)1315*
Vitamin B6 (mg)1,21,9*
Folat (Folsäure) (µg)400600
Vitamin B12 (µg)33,5
Vitamin C (mg)100110
Vitamin E (mg)1213
Vitamin K (µg)6060=
Pantothensäure (mg)66=
Biotin (µg)30 - 6030 - 60=
Mineralstoffe
Calcium (mg)1.0001.0001)=
Phosphor (mg)7008002)
Magnesium (mg)3003103)
Eisen (mg)1530
Jod (µg)200230
Zink (mg)710*
Selen (µg)30 - 7030 - 70=
Kupfer (mg)1 - 1,51 - 1,5=
Mangan (mg)2 - 52 - 5=
Chrom (µg)30 – 10030 – 100=
Molybdän (µg)50 – 10050 – 100=
* ab 4. Monat der Schwangerschaft
1) Schwangere < 19 Jahre: 1.200 mg; 2) Schwangere < 19 Jahre: 1.250 mg; 3) Schwangere < 19 Jahre: 350 mg
Literatur: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung, der Schweizer Gesellschaft für Ernährungsforschung und der Schweizer Vereinigung für Ernährung. Umschau Verlag, 2008.

Bewegung

Bewegung in der Schwangerschaft kann sich positiv auf Mutter und Kind auswirken. Studien zeigen, dass durch sportliche Aktivität das Risiko für Gestationsdiabetes um 50 % und Präeklampsie um 40 % verringert werden kann. Bewegung verbessert die kardiorespiratorische Vitalität und stärkt den Bewegungsapparat. Das American College of Obstetricians and Gynecologists empfiehlt Schwangeren täglich 30 Minuten Bewegung.

Gewichtszunahme in der Schwangerschaft

Eine adäquate Gewichtszunahme während der Schwangerschaft ist essenziell für die Entwicklung und das Wachstum des Embryos. Eine zu geringe sowie zu hohe Gewichtszunahme während der Schwangerschaft kann sich negativ auf das Ungeborene auswirken. Eine höhere Gewichtszunahme während der Schwangerschaft ist mit einem höheren Geburtsgewicht verbunden im Gegenzug verringert sich das Geburtsgewicht mit geringerer Gewichtszunahme während der Schwangerschaft.

Studien zeigen, dass niedriges Geburtsgewicht mit einem erhöhten Body Mass Index und systolischem Blutdruck, Diabetes mellitus Typ 2 sowie mit metabolischem Syndrom assoziiert ist.

Auch ein hohes Geburtsgewicht wird mit einem höheren Body Mass Index im Erwachsenenalter in Zusammenhang gebracht. Jedoch stellt es keinen Risikofaktor für Adipositas im Erwachsenenalter dar.

Die mütterliche Ernährung (Nährstoffversorgung) während der Schwangerschaft hat maximal einen geringen Einfluss auf das Geburtsgewicht des Kindes. Der Einfluss der Ernährung während der Schwangerschaft, insbesondere die Proteinzufuhr, wird hinsichtlich der Prävention einer erhöhten Gewichtszunahme beim Kind kontrovers diskutiert.

Studien zeigen auch, dass übergewichtige und adipöse Frauen öfter an Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen leiden. Adipositas der Mutter kann weiters zu Fehlbildungen bei den Kindern führen.

Es konnte festgestellt werden, dass eine hohe Protein- und Fettaufnahme während der Schwangerschaft zu Insulinmangel bei den Kindern führen kann.

Studien deuten auch darauf hin, dass eine Erhöhung der Aufnahme an Energie, energieangepasstem Protein und Fetten tierischen Ursprungs die Gewichtszunahme der Mutter erhöht, während es durch eine kohlenhydratreiche Ernährung zu einer geringeren Gewichtszunahme kommt.

Ernährungsverhalten in der Schwangerschaft - Einfluss auf das Ernährungsverhalten der Kinder

Gegenstand aktueller Diskussionen ist das Ausmaß der Beeinflussung der Ernährung während der Schwangerschaft im Hinblick auf die metabolische Prägung. Studien weisen darauf hin, dass unter anderem schon die Geschmackspräferenzen der Kinder bereits im Mutterleib geprägt werden.

Genussmittel

Rauchen während der Schwangerschaft wird unter anderem mit plötzlichem Kindstod, verschiedenen Schwangerschaftskomplikationen, Frühgeburt, erhöhtem BMI und einer höheren Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei den Nachkommen in Verbindung gebracht. Weiters kann es bei den Kindern zu einer Beeinträchtigung der respiratorischen Gesundheit und einer erhöhten Sensibilisierung auf Nahrungsmittelallergene kommen.

Mütterlicher Alkoholkonsum während der Schwangerschaft kann unter anderem zu Wachstumsretardierung, Missbildungen, Entwicklungsdefekten und/oder einem spontanen Abortus führen. Bei Komatrinken während der Schwangerschaft wurde bei Kindern im Alter von 12 Monaten auch häufiger Eisenmangelanämie beobachtet. Bei moderatem Alkoholkonsum während der Schwangerschaft konnten keine adversen Effekte wie Fehlgeburt, Totgeburt, beeinträchtigtes Wachstum und beeinträchtigte Entwicklung, Geburtsgewicht, Frühgeburt, Missbildungen und Krebsentstehung festgestellt werden. Eine gesundheitlich verträgliche Alkoholzufuhrmenge für Schwangere kann daraus nicht abgeleitet werden. Daher gilt als allgemeiner vorsorgeorientierter Konsens: am besten ganz die Finger weg vom Alkohol während der Schwangerschaft.

Zu hohe mütterliche Koffeinaufnahme während der Schwangerschaft kann das fötale Wachstum beeinflussen. Unter anderem kann es zu kongenitalen Missbildungen, Wachstumsretardierung, geringem Geburtsgewicht, spontanen Aborten, Verhaltensstörungen führen.

Die Empfehlungen für die maximale Aufnahme an Koffein liegen zwischen 200 mg – höchstens 300 mg pro Tag.

Lt. einer aktuellen Stellungnahme der ACOG (American College of Obstetricians and Gynecologists) hat ein moderater Koffeinkonsum von 200 mg pro Tag keinen wesentlichen Einfluss auf Fehl- oder Frühgeburt. Derzeit kann jedoch ein Zusammenhang zwischen hoher Koffeinaufnahme und Fehlgeburt weder bestätigt noch ausgeschlossen werden.

Koffeingehalt /
Portion
Instant Kaffee ø Tasse - 75 mg
ø Becher - 100 mg
gebrühter Kaffeeø Tasse - 100 mg
Teeø Tasse - 50 mg

Quelle: nach DGE, 2007

Da jegliches Risiko ausgeschlossen werden soll, soll auf den Konsum von Genussmitteln während der Schwangerschaft verzichtet werden.

Gestationsdiabetes

Das Gewicht der Schwangeren scheint einen Einfluss auf die Entstehung von Gestationsdiabetes zu haben.

Höheres Geburtsgewicht und mütterlicher Gestationsdiabetes scheinen das Risiko für die Entstehung von metabolischem Syndrom im Kindesalter und für Übergewicht im Erwachsenenalter zu erhöhen.

Präeklampsie

Calcium-Supplementierung kann das Risiko für Bluthochdruck und Präeklampsie während der Schwangerschaft verringern. Eine Risikoreduktion von Präeklampsie konnte auch durch Supplementierung mit Antioxidantien festgestellt werden. Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren hatte keinen Einfluss auf die Rate an Präeklampsie und Eklampsie.

Eine Erhöhung des mütterlichen Body Mass Index kann hingegen das Risiko für Präeklampsie erhöhen.

Infektionen während der Schwangerschaft

Bakterielle Vaginose in der frühen Schwangerschaft kann das Risiko für Frühgeburt, geringes Geburtsgewicht sowie klinische Chorioamnionitis erhöhen.

Zu den wichtigsten Lebensmittelpathogenen, die zum Tod oder zu schwerwiegenden Krankheiten des Fötus oder Neugeborenen führen können, zählen Toxoplasma gondii und Listeria monocytogenes.

Wie können sich Schwangere vor einer lebensmittelbedingten Infektion schützen?

Welche Nahrungsmittel während der Schwangerschaft zu meiden sind und welche Hygieneregeln beachtet werden sollen, sind in der Broschüre „Schwangerschaft – Infektionen durch Lebensmittel“ nachzulesen.

Schwangerschaft - Infektionen durch Nahrungsmittel (463,07 kB)

In der Schwangerschaft kann die Immunabwehr durch die im Körper ablaufenden Veränderungen geschwächt sein. Infektionskrankheiten können daher besonders in dieser Zeit komplizierter verlaufen und die Gesundheit von Mutter sowie dem heranreifenden Kind gefährden. Um eine lebensmittelbedingte Infektion zu vermeiden und möglichen Schäden des Ungeborenen vorzubeugen, sollten Schwangere auf sogenannte Risikolebensmittel (rohes oder unvollständig durchgegartes Fleisch, Mett- und Rohwürste, Rohmilch oder Rohmilchprodukte, geschmierter Käse, kalt geräucherte Fische, rohe Muscheln und Speisen, die rohe Eier enthalten) generell verzichten sowie bei der Zubereitung und Lagerung von Nahrungsmitteln auf eine besonders sorgfältige Küchenhygiene achten.

Rezepte für schmackhafte Gerichte für Schwangerschaft und Stillzeit, die einfach und schnell zubereitet werden können und sich an den Anforderungen der modernen Ernährungswissenschaft orientieren, finden Sie in der Broschüre „Richtige Ernährung von Anfang an – Teil 1: Schwangerschaft und Stillzeit“

Richtige Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit (1,43 MB)

Während der Schwangerschaft und Stillzeit ist richtige Ernährung von großer Bedeutung und eine wichtige Voraussetzung für Wohlbefinden und Gesundheit.

Wie Sie einfach zubereitet das Richtige essen können, zeigt Ihnen diese Broschüre auf sehr anschauliche Weise.