v.li.: Pietschnig (IBCLC), Kruppa (GAIMH), Bogensperger (IBCLC, VSLÖ), Kiefer (AGES), Probst (Hauptverband d. Österr. Sozialversicherungsträger), Lehner (BMG), Dietscher (LBIHPR)
Muttermilch hat die optimale Zusammensetzung für die Entwicklung des Säuglings: Die positiven Auswirkungen auf das Immunsystem sind für das Baby die von großer Bedeutung. So wirkt sich das Stillen beispielsweise schützend auf gastrointestinale Infektionen oder Mittelohrentzündungen aus. Gestillte Kinder entwickeln auch seltener Asthma und Ekzeme. Außerdem fördert der Akt des Stillens eine sichere Mutter-Kind-Bindung.
„Beziehung – Bindung – Ernährung – Entwicklung“ war daher das Motto einer gemeinsamen Fortbildungsveranstaltung des Projekts „Richtig essen von Anfang an!“ mit ONGKG, ÖGKJ, GAIHM und VSLÖ, die am 14. Oktober unter der Schirmherrschaft von Gesundheitsminister Alois Stöger stattfand. Über 400 ExpertInnen (Ärzte und Ärztinnen, SozialarbeiterInnen, Hebammen, Krankenschwestern, IBCLCs, LLL-BeraterInnen) und interessierte Mütter und Väter konnten sich über neue Projekte, Initiativen und Richtlinien zu diesem Themenkomplex informieren.
Richtig essen von Anfang an!
Zur Förderung einer ausgewogenen und den Bedürfnissen angepassten Ernährung von Anfang an wurde vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG), dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger und der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES) im Jahr 2008 das Projekt „Richtig essen von Anfang an!“ ins Leben gerufen. Den Fokus bilden Schwangere, Stillende und Kinder bis zum 3. Lebensjahr. Basierend auf nationalen und internationalen „Models of good Practice“ wurde ein für Österreich individueller Maßnahmenkatalog erstellt, der Handlungsempfehlungen für die Umsetzung gesundheitsfördernder Maßnahmen vorschlägt.
„Ernährungsberatung in der Schwangerschaft“ und „Babycouch“
Seit 2009 erfolgte in der Steiermark die Umsetzung von 36 Workshops mit 325 Schwangeren. Wesentliche Inhalte sind die Wichtigkeit ausgewogener Ernährung und der zusätzlichen Energie- und Nährstoffbedarf in der Schwangerschaft, Gewichtsverlauf, Geschmacksprägung sowie Schwangerschaftsbeschwerden. Zusätzliche Informationen werden in der STGKK zu Kinderbetreuungs- und Wochengeld erteilt. In den vergangenen zwei Jahren konnten durch die Begleitevaluierung sehr gute und für die Weiterentwicklung wertvolle Erfahrungen gesammelt werden. Das Modell „Ernährungsworkshops für Schwangere“ wird nun in ganz Österreich über die Sozialversicherung umgesetzt und koordiniert weiterentwickelt. Dies stellt sicher, dass gemeinsame Synergien bestmöglich genutzt werden und somit die angestrebte Nachhaltigkeit ermöglicht wird.
Ziel des Projekts „Babycouch - Bewusst von Anfang an“ der NÖGKK ist die Optimierung des Beratungs- und Informationsangebots für Schwangere, Stillende und Familien in Niederösterreich durch Förderung und Ausbau lokaler Strukturen und von Mutter- zu Mutterberatung und MultiplikatorInnenschulung für Berufsgruppen des außerklinischen Bereichs. Das Projekt bezieht sich vor allem auf folgende Zielgruppen: Schwangere, Stillende und deren Familien, Menschen mit Migrationshintergrund bzw. niedrigem sozialen Status und Gesundheitsprofessionisten/innen. Zum Einen werden Babycafés aufgebaut, die als Treffpunkte für Frauen mit ExpertInnen dienen; auf der anderen Seite werden bereits bestehende Strukturen weiter ausgebaut und gestärkt.
Baby Friendly Hospital Initiative
WHO und UNICEF empfehlen in einer weltweiten Kampagne für das Stillen der – Baby Friendly Hospital Initiative - den Geburtskliniken, die „Zehn Schritte zum erfolgreichen Stillen“ umzusetzen, um Frauen einen guten Stillbeginn zu ermöglichen. Kliniken, die alle 10 Schritte umsetzen und keinerlei Werbung für industriell hergestellte Säuglingsnahrung machen, werden als „Baby Friendly Hospital“ ausgezeichnet.
Die internationalen Baby-Friendly Hospital Initiative BFHI (Initiative „Stillfreundliches Krankenhaus“) ist als eine der wichtigsten Maßnahmen im EU-Aktionsplan zur Förderung des Stillens in Europa genannt. Entbindungskliniken und das medizinische Personal nehmen bei der Stillförderung eine Schlüsselstellung ein. Studien haben gezeigt, dass Mütter nach der Entlassung kaum mehr zum ausschließlichen Stillen zurückkehren, wenn sie bereits im Krankenhaus zugefüttert haben. Daher ist die Unterstützung der Krankenhäuser entscheidend für eine längere und ausschließliche Stilldauer.
Ernährungspyramide Schwangere
Gerade in der Schwangerschaft kommt richtiger Ernährung ein besonderer Stellenwert zu: Einerseits muss die Versorgung des Babys mit Energie und Nährstoffen, die es für Wachstum und Entwicklung braucht, gewährleistet werden. Andererseits muss auch der Unterversorgung der Mutter vorgebeugt werden. Die richtige Auswahl an Lebensmitteln für eine optimale Nährstoffaufnahme ist daher von besonderer Bedeutung. ExpertInnen und die „Public Health Arbeitsgruppe Ernährung“ des Obersten Sanitätsrates (OSR) haben daher auf Wunsch von Bundesminister Stöger spezifische lebensmittelbasierte Empfehlungen für Schwangere erstellt, die - in Anlehnung an die Österreichische Ernährungspyramide - in einer eigenen Ernährungspyramide für Schwangere mündeten.
Beikostempfehlungen
Mit den „Österreichischen Beikostempfehlungen“ stehen Eltern erstmals einheitliche und auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft basierende Informationen zur Einführung von fester Nahrung (Beikost) zur Verfügung. Sie berücksichtigen vor allem den individuellen Entwicklungsgrad des Säuglings und ermöglichen Eltern, auf die Bedürfnisse ihres Kindes zu reagieren. In den ersten Lebensmonaten ist ein Baby mit Stillen bzw. Säuglingsanfangsnahrung (Pre-Nahrung) bestens versorgt, später braucht das Baby jedoch mehr. Die Einführung von fester Nahrung (Beikost) sollte je nach individuellem Entwicklungsstand des Kleinkindes zwischen Beginn des 5. Lebensmonats (17. Woche) und Ende des 6. Lebensmonats (26. Woche) beginnen. Muttermilch und Säuglingsanfangsnahrung bleiben aber auch danach noch eine wichtige Nährstoffquelle. Aufbauend auf diese Empfehlungen wurde die Broschüre „Babys erstes Löffelchen“ erarbeitet, die die wichtigsten Informationen kompakt zusammenfasst und vom Bundesministerium für Gesundheit kostenlos bezogen werden kann.
Projektvorstellung "Richtig essen von Anfang an!" - Dr.in Birgit DIEMINGER / Mag.a Bettina MEIDLINGER / Mag.a Bernadette Bürger
Frühe Bindung und Beziehung als Basis für die spätere Entwicklung - OA Dr.in Katharina KRUPPA (GAIMH)
SCHWANGERSCHAFT
Vorstellung der Ernährungspyramide für Schwangere - Mag.a Petra LEHNER (BMG)
Workshops „Ernährungsberatung in der Schwangerschaft“ in Österreich, Praxisbeispiel STGKK - Mag.a Johanna STELZHAMMER / Andrea CARSTENSEN (Diätologin) (STGKK)
RUND UM DIE GEBURT
Baby Friendly Hospital Initiative - Anne-Marie KERN (IBCLC)
Stillförderung aus der Sicht des Gynäkologen - Prim. Univ.-Doz. Dr. Gerhard SLIUTZ (Krankenanstalt Rudolfstiftung)
Stillen – Vorteile für Kinder und Mütter - Dr. Martin RADON (Kinderfacharzt, IBCLC)
Stillförderung durch die Hebamme - Renate MITTERHUBER (Hebamme, IBCLC)
STILLEN
Stillen – Tipps für die Praxis - Eva BOGENSPERGER (IBCLC, Präsidentin VSLÖ)
Stillen – Ammenmärchen und Fallen - Dr.in Beate PIETSCHNIG (IBCLC)
Projekt „Babycouch – Bewusst von Anfang an“ - Mag.a Petra RUSO (ARGEF)
ERNÄHRUNG DES SÄUGLINGS
Beikostempfehlungen und Umsetzung der Empfehlungen - Mag.a Ariane HITTHALER („Richtig essen von Anfang an!“), Dr.in Beate PIETSCHNIG (IBCLC)
Gesundheitliche Auswirkungen von Tiermilchkonsum bis zum Ende des 3. Lebensjahres - Mag.a Melanie U. BRUCKMÜLLER („Richtig essen von Anfang an!“)